Mit Auge, Herz und Hirn: Katharina Pieper zeigt Schriftkunst im Museum Haus Ludwig

13.07.2016

Von: Sascha Schmidt


Mit beeindruckender Präzision und einem umfangreichem kalligrafischem Ausdrucksspektrum lässt die in Saarlouis geborene Künstlerin Katharina Pieper Worte und Buchstaben auf der Leinwand zur Kunst werden. Im Museum Haus Ludwig zeigt sie aktuelle Werke.



Zu ihrem Repertoire gehören nicht nur zahllose Schriftstile, auch spiegelverkehrt kann Kalligrafin Katharina Pieper Worte niederschreiben. Einen Eindruck davon vermittelte ihre Performance anlässlich der Ausstellungseröffnung im Museum Haus Ludwig. Fotos: Sascha Schmidt

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„So plastisch, deutlich, greifbar, wie ich es noch nicht gesehen habe“, sagte OB Roland Henz.

Über Geschichte, Entwicklung und Bedeutung der Kalligrafie berichtete Museumsleiterin Dr. Claudia Wiotte-Franz.

‚Wortsinnlich‘ lautet der Titel dieser Ausstellung – ein Wortspiel, das Katharina Pieper selbst einem Zeitungsbericht über eine ihrer zurückliegenden Ausstellungen entlehnte. „Das fand ich passend für meine Worte“, sagt sie. Häufig arbeitet die Künstlerin mit Texten von Hildegard von Bingen. Spirituelle Texte, aber auch eigene Schriften finden Eingang in ihr kalligraphisches Werk. „Die Texte fließen aus der Feder“, erzählt Pieper. „Im Schreibfluss kommen sie in den Sinn und aufs Papier. Schreiben ist ein Prozess, ein schöner, aber auch sinnlicher Prozess.“


Farbenfroh erscheinen die Kompositionen ihrer Bilder auf den ersten Blick, Pieper selbst betont den Einfluss der Expressionisten des Blauen Reiters, der die Farbigkeit ihres eigenen Werkes prägte. Je näher man den Worten auf der Leinwand kommt, desto mehr laden sie dazu ein, ihren eigentlichen Kern zu ergründen: Mit bestechender Präzision bis ins Kleinste ausgeführte Schriften finden sich darauf, bilden Formen, Rhythmen und Harmonien. Selten sind gleich mehrere Reihen im selben Stil geschrieben und doch wirkt das Ganze nie hektisch. „Schrift setzt Sprache ins Bild und Kalligrafie haucht ihr Leben ein“, sagt Pieper. „Schreiben ist ein hochkonzentrierter Vorgang, der Auge, Herz und Hirn in Einklang bringt.“


Besonders im Mittelalter sei die Kalligrafie von hoher Bedeutung gewesen, erinnerte Museumsleiterin Dr. Claudia Wiotte-Franz. Heute gebe es jedoch Anlass zur Sorge, dass die Handschrift ein Stückweit verloren ginge. „Briefe, Postkarten, Tagebucheinträge – wo bleiben da das Archiv und das Gedächtnis?“ Umso schöner und spannender sei es daher, dass Katharina Pieper die Kunst des schönen Schreibens in den Mittelpunkt rücke. Wie zum Drucken gesetzt wirke die Klarheit ihres Pinselstrichs, hob OB Roland Henz hervor: „Die Schriftkunst von Katharina Pieper ist so plastisch, deutlich, greifbar, wie ich es noch nicht gesehen habe.“


Die Ausstellung ‚Wortsinnlich – Schriftkunst von Katharina Pieper‘ im Atelier des Museums Haus Ludwig ist zu sehen bis Sonntag, 7. August. Der Eintritt ist frei.